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Viele Verbraucher haben vollstes Vertrauen in natürliche Produkte, da diese oft mit gesunden und für die Haut ungefährlichen Produkten gleichgesetzt werden. In dieser Studie wurden die Bestandteile von natürlichen Produkten genauer untersucht. Das Ergebnis beweist, dass man sich nicht immer auf das Etikett von einem Produkt verlassen kann.

Laut der europäischen Kosmetikverordnung ist ein Viertel der erhältlichen natürlichen Bestandteile für Kosmetika als schädlich klassifiziert. Einige Stoffe können Kontaktallergien, Hautirritationen und phototoxische Reaktionen hervorrufen. Diese Stoffe sollten deshalb nicht in Kosmetikprodukten verwendet werden. Professor Ursula Klaschka von der Hochschule Ulm untersucht verschiedene Naturkosmetikprodukte sowie deren Inhaltsstoffe, um zu testen und sicher zu gehen, dass sich keine schädlichen Stoffe in Kosmetika befinden.

100 Produkte unter die Lupe genommen
Die untersuchten Produkte kamen hauptsächlich von deutschen, dänischen, französischen und schweizer Herstellern. Klaschka testete eine breite Auswahl an Produkten aus verschiedenen Preisklassen, wobei das teuerste Produkt 20-mal mehr gekostet hat als das günstigste vergleichbare Produkt. Zudem wurden auch verschiedene Produktkategorien getestet: von Gesichts- über Körperpflege bis hin zu Make-up und Haarpflegeprodukten. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Verbraucher häufig nicht das Produkt bekommen, welches Ihnen auf der Verpackung versprochen wird.

Keine pflanzlichen Inhaltsstoffe angegeben
Produktnamen und Inhaltsstoffe stimmten oft nicht überein. Einige Kosmetikprodukte sind nach bestimmten Pflanzen benannt, enthalten diese Pflanze letztendlich aber nicht. So wird zum Beispiel eine Seife mit Aprikosen- und Holunderblütenaroma gekennzeichnet, obwohl sie weder Aprikose noch Holunderblüte beinhaltet.

Ist natürliches Parfum besser als synthetisches Parfum?
In 80 von den 100 getesteten Produkten sind Parfums oder Duftstoffe enthalten. Bei 58 von diesen Produkten wurde angegeben, dass die genutzten Duftstoffe natürlich sind. Allerdings spielt der Ursprung der Duftstoffe nur eine kleine Rolle bei der Hautverträglichkeit eines Produktes, denn sowohl natürliche als auch synthetische Parfums können die Haut reizen. Das allergene Potenzial eines Parfums hängt von seiner chemischen Struktur, Konzentration und Reinheit ab. Einige Duftstoffe können in Verbindung mit bestimmten anderen Stoffen, die in Kosmetika verwendet werden, Hautirritationen hervorrufen.

Allergene für empfindliche Haut
Die Studie zeigt außerdem, dass natürliche Kosmetika nicht automatisch besser für empfindliche Haut geeignet sind. Auch natürliche Produkte können gefährliche Allergene enthalten. 15 der getesteten Produkte werden von den Herstellern als “mild”, “beruhigend” und “für sensible Haut geeignet” beschrieben. Trotzdem konnten in den Produkten zwischen einem und sieben von 26 allergenen Duftstoffen nachgewiesen werden. Dabei war kein großer Unterschied zwischen Produkten mit hohem oder niedrigem Preisniveau zu beobachten.

Fehlerhafte Angaben
Neben irreführenden und ungenauen Angaben der Inhaltsstoffe wurden auf den Etiketten der Produkte unter anderem auch Rechtschreibfehler gefunden. Aus ‘Lavendula angustifolia flower extract’ wurde zum Beispiel ‘Lavandula angustiflia flower extract’.

Natürlich ist nicht gleich sicher
In der Studie von Professor Klaschka wurden einhundert natürliche Kosmetika getestet. Natürlich ist fraglich, ob diese Stichprobe repräsentativ für alle natürlichen Kosmetikprodukte ist. Jedoch geht aus der Untersuchung klar hervor, dass natürliche Produkte nicht automatisch als ungefährlich anerkannt werden sollten. Die Verträglichkeit eines Produktes hängt hauptsächlich von den Inhaltsstoffen ab, egal ob diese natürlich oder synthetisch sind.

Originaltitel:
Natural personal care products— analysis of ingredient lists and legal situation

Jahr:
2016

Autor:
U. Klaschka

Wissenschaftliche Zeitschrift:
Environmental Sciences Europe

Link:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27752443

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